Bericht zur Bergtourenwoche vom 07. bis 14.09.2002 im Stubaital
Sa. 07.09.: Kurz vor 7.00 Uhr holte ich Fried von zu Hause ab. Am Vorabend hatte sich Hans aus betrieblichen Gründen abgemeldet. Er wollte jedoch am Dienstag nachkommen. So fuhren wir nur zu zweit nach Weinheim, wo Klaus bereits an der Peterskirche wartete. Bei der Auffahrt auf die Autobahn bemerkten wir, daß wir keine Brötchen für das Frühstück dabei hatten. Also fuhren wir gleich wieder ab und hollten diese in einer Bäckerei in der Weststadt. Auf der Raststätte Illertal legten wir eine Pause ein und verzehrten die frischen Brötchen mit einem Stück Fleischwurst und Kaffee bzw. einer Dose Bier. Bisher war der Verkehr auf der Autobahn nicht so arg, jedochwurde dieser ab dem Autobahnende bei Füssen dichter, so daß wir erst um 14.00 Uhr auf dem Campingplatz "Edelweiß" in Neustift-Volderau im Stubaital eintrafen. Da das Meldebüro erst um 16.00 Uhr öffnete, hatten wir genügend Zeit uns einen Platz auszusuchen und konnten uns in der Sonne von der Fahrt erholen. Nachdem das VDB-Zelt und das Partyzelt aufgestellt waren machten wir uns an die Vorbereitung des Abendessen mit Tomatensalat, Bratkartoffeln und Steaks. Zur Verdauung unternahmen wir noch einen Spaziergang in die nähere Umgebung, den wir mit einer Einkehr in das Campingplatz-Restaurant verbanden. Bevor wir uns um 23.00 Uhr in die Schlafsäcke legten beendeten wir diesen Tag mit einer von Fried mitgebrachten Flasche Rotwein.
So. 08.09.: Ein strahlend blauer Himmel erwartete uns, als wir um 7.45 Uhr das Zelt verließen. Nach dem Frühstück fuhren wir nach Neustift und von dort mit dem Elferlift zur Bergstation. Von hier aus machten wir uns auf den Weg, vorbei an der Elferhütte, zum Einstieg des Klettersteigs an der Nordwand der Elferspitze. Vor uns waren zwei Familien mit Kindern im Klettersteig unterwegs. Durch Unachtsamkeit wurde ein großer Stein losgetreten, der Klaus nur um einen halben Meter verfehlte. Glück gehabt! Der Klettersteig selbst war relativ kurz und nicht so schwierig. Gegen 12.00 Uhr standen wir mit mehreren Bergfreunden, welche den Normalweg gewählt hatten, auf dem Gipfel der Elferspitze (2505m).
Auf dem Rückweg zur Bergstation des Elferlifts legten wir vor der Elferhütte eine Trinkpause ein. Von Hier oben hat man einen herrlichen Blick durch das Stubaital bis zur Brennerautobahn. Heute Abend verzehrten wir die restlichen Lebensmittel, wie Bratwürste, Eier, Nudeln usw. Einem Verdauungsspaziergang folgte wieder ein Einkehrschwung ins Campingplatz-Restaurant. Um 23.00 Uhr war Bettruhe.
Mo. 09.09.: Um 6.40 Uhr weckte ich meine beiden Bergfreunde, weil wir nach Neustift-Neders mussten, wo ab 8.00 Uhr der Transfer zur Pinnisalm (1559m) startete. Mit fünf weiteren Gästen und einem Hund ging die Fahrt in einem Jeep zur etwa 8 km entfernten Alm. Von hier aus brauchten wir 2 Std. bis zur Innsbrucker-Hütte (2369m), auf der wir gleich in einem 4-Bettzimmer Quartier machten. Eines der Betten war schon belegt. Wir räumten unsere Rucksäcke um, tranken noch ein Bier und machten uns auf den Weg zum Einstieg des Klettersteigs auf die Ilmspitze. Fried kehrte dort um und ging über die Kalkwand (2564m) zurück zur Hütte. Nach etwa einer Stunde herrlicher Kletterei standen wir um 13.15 Uhr auf dem Gipfel der Ilmspitze (2690m)
Nach uns kam noch ein netter Vogtländer, der am Vormittag auf dem Habicht stand, der am nächsten Tag unser Ziel sein sollte. Auf unserem Rückweg trafen wir wieder auf Fried, der in der Sonne liegend eine Pause eingelegt hatte. Gegen 15.30 Uhr waren wir wieder auf der Hütte. Es war immer noch schönes Wetter und es blies ein kräftiger Wind, wobei für den nächsten Tag eine Kaltfront angesagt wurde. Es herrschte viel Betrieb auf der Hütte, was wir um diese Jahreszeit nicht mehr erwartet hatten. Als wir um 21.30 Uhr in unsere Betten stiegen, wussten wir immer noch nicht, wer unser Bettnachbar war.
Di. 10.09.: Als jemand an unsere Tür klopfte und fragte, ob Heike schon wach sei, wussten wir, daß wir mit einer jungen Frau das Zimmer geteilt hatten. Diese erwies sich als sehr redselig und in wenigen Minuten erfuhren wir, was sie in den letzten Tagen alles unternommen hatte. Durch das Fenster konnten wir sehen, wie der Nebel aus dem Tal hochzog. Es war mittlerweile 6.45 Uhr. Während des Frühstücks begann es draußen zu regnen, womit wir unsere heutige Tour auf den Habicht streichen konnten. Kurz vor 9.00 Uhr gingen wir den langen Weg vorbei an der Karalm und der Pinnisalm zurück nach Neders. Einen Bergfreund aus Schwäbisch-Gemünd nahmen wir im VDB-Bus mit nach Falbeson, wo auf einem Parkplatz sein Auto stand. Zurück auf dem Zeltplatz mussten wir feststellen, daß der starke Wind das Partyzelt eingedrückt hatte, obwohl wir vor unserem Weggang vorsorglich die Seitenwände entfernt hatten, um weniger Angriffsfläche zu bieten. Weil es immer noch regnete verbrachten wir die Mittagszeit im VDB-Bus. Der Wetterbericht meldete, daß es ab Donnerstag wieder sonnig und warm werden sollte. Mit schlafen, duschen, Kleider trocknen und Kaffee trinken verbrachten wir einen geruhsamen Nachmittag. Später fuhren wir nach Neustift und unternahmen dort einen Stadtbummel. Zum Abendessen kehrten wir heute in das Campingplatz-Restaurant ein. Die Portionen, die man hier serviert bekommt, erfordern einen gesunden Appetit. Um 18.30 Uhr kam Hans zur Tür herein. Auf sein Wohl tranken wir im Zelt jeder eine Flasche Wein, den er mitgebracht hatte.
Mi. 11.09.: Es hatte die ganze Nacht geregnet und es regnete immer noch, weshalb wir erst um 10.00 Uhr aus dem Schlafsack krochen. Nach dem Frühstück fuhren wir nach Fulpmes und von dort mit der Straßenbahn nach Innsbruck. Es war ein besonderes Erlebnis das Tal, die Autobahn und die Europabrücke aus dieser Perspektive, der etwa einstündigen Fahrt, zu betrachten. In Innsbruck war es trocken und auch recht warm, weshalb wir nach einem Bummel durch die Gassen, vorbei am Goldenen Dacherl, ein Bier in einem Straßencafe tranken. Nach unserer Rückkehr auf dem Zeltplatz richteten wir unsere Rucksäcke für den nächsten Tag. Hans hatte in der Eile seine Steigeisen zu Hause vergessen. Da ich zusätzlich noch die Eisen von Erich dabei hatte, war dieses Problem gleich gelöst. Nach genauerem Studium der morgigen Tour stellte sich heraus, daß wir gar keine Steigeisen brauchten. Die riesigen Portionen in dem Campingplatz-Restaurant zogen uns auch heute wieder an. Den Abend beschlossen wir mit einem Bier im Zelt.
Do. 12.09.: Um 6.30 Uhr weckte ich die Anderen. Es war noch etwas dunstig und recht kalt. Mit dem VDB-Bus fuhren wir die 11 km zur Mutterbergalm, wo sich die Talstation der Stubaitalbahn befand. In einer Sechsergondel ließen wir uns zur Mittelstation Fernau in 2300m Höhe transportieren. Etwas Abseits davon steht die Dresdner-Hütte. Vorbei an dieser stiegen wir auf zur Station Eisgrat. Nach einer Pause gingen wir auf dem Gletscherpfad zum Eisjoch und weiter, vorbei an der Jochdohle, zur Schaufelspitze. Nach einem halbstündigen Aufstieg standen wir auf dem Gipfel der Schaufelspitze (3333m).
Von hier oben hat man einen herrlichen Rundblick. Auf dem Rückweg wollten Klaus und ich noch die Stubaier-Wildspitze besteigen. Bedingt durch den Neuschnee hatten wir etwas Probleme den richtigen Weg zu finden. Klaus musste einem menschlichen Bedürfnis nach gehen, während ich versuchte den Weg zu finden. Als es zu riskant wurde kehrte ich um und stieg mit Klaus über die Skipiste ab zur Station Eisgrat, wo sich Hans und Fried in der Sonne aalten. Nach einer Bierpause stiegen wir ab zur Mittelstation Fernau. Zurück auf dem Campingplatz öffneten wir eine Flasche Wein, betrieben Körperpflege und richteten die Rucksäcke für den nächsten Tag. Der Verlauf des heutigen Abends ähnelte dem der vergangenen Abende.
Fr. 13.09.: Als wir um 6.15 Uhr aus dem Zelt krochen, erwartete uns ein kalter aber klarer Morgen. Zuckerhütl und Wilder Pfaff erstrahlten im ersten Sonnenlicht. Um 8.30 Uhr starteten wir an der Mittelstaion Fernau in Richtung Schaufelferner. Hans blieb hier zurück und machte sich auf den Rückweg zur Dresdner-Hütte. Nach dem wir den Fernauferner überquert hatten, mussten wir noch am Pfaffengrat hochklettern um auf den Sulzenauferner zu gelangen. Vor uns waren noch drei Seilschaften, welche uns etwas bremsten. Um 12.45 Uhr standen wir an dem mächtigen Gipfelkreuz des Zuckerhütls (3507m).
Mit einer tollen Aussicht auf die umliegenden Berge, speziell auf den gegenüberliegenden Wilden Pfaff, werden wir an diesem herrlichen Tag belohnt. Eigentlich wollten wir auch den Wilden Pfaff besteigen, jedoch waren wir zeitlich etwas spät dran. Nach einer Verpflegungspause machten wir uns auf den Rückweg zur Mittelstation (2300m), wo wir nach zwei Std. wieder mit Hans zusammen trafen. Hinter uns lag eine tolle Tour bei idealen Verhältnissen. Diese erfolgreiche Tourenwoche beschlossen wir bei einem guten Essen und ein paar Bier im Restaurant des Campingplatz. Hier lernten wir auch Walter kennen, einen Kriegsversehrten, dem beide Unterarme fehlten, der aber trotzdem sich selbst problemlos versorgen kann. Er erzählte uns seine ganze Lebensgeschichte und was er sonst noch alles vorhatte.
Sa. 14.09.: Heute ist Rückreisetag. Um 8.00 Uhr war aufstehen, anschließend Frühstück und dann wurde alles zusammengepackt und im VDB-Bus verstaut. Als wir um 9.30 Uhr am Campingplatz abfuhren war wieder herrliches Bergwetter. Die Fahrt lief ohne Probleme bis wir zwischen Ulm-West und Mühlhausen in einen 20 km Stau gerieten. Nach dem Stau lief es wieder wie geschmiert. Wir lieferten Klaus in Weinheim ab und waren um 17.00 Uhr in Oberflockenbach. Zur unserer Verwunderung war das Seifenkistlrennen bei unserer Kerwe noch im Gange. So konnten wir gerade noch den Zieleinlauf von unserem Bergfreund Erich sehen, der mit dem von Fried gebauten Renner einen tollen zweiten Platz belegte.
Trotz der beiden Regentage hatten wir eine schöne Bergtourenwoche erlebt, bei der wir das, was wir uns vorgenommen hatten, fast alles absolvieren konnten.
Gez. Rudi