Bericht zur Bergtourenwoche vom 01. bis 08.09.2001 im Wallis
Sa. 01.09.:Um 5.45 Uhr fuhr ich nach Birkenau, um Klaus abzuholen. Aus verschiedenen Gründen waren wir dieses Jahr nur zu zweit. An der Haustür musste ich mehrmals klingeln. Er wird doch nicht verschlafen haben, oder ...? In der Bäckerei Tritsch in Birkenau nahmen wir Brötchen mit, denn wir hatten eine Einladung zum Frühstück in Unterseen am Thunersee, wo unsere Bergfreunde Fried und Volker mit ihren Frauen Urlaub machten. Je näher wir unserem ersten Ziel kamen, um so schlechter wurde das Wetter. Als wir um 10.15 Uhr am Campingplatz eintrafen, wurden wir schon erwartet. Für Fried hatten wir ein Geburtstagsgeschenk von Volker J. dabei. Es handelte sich um einen Kasten "Schmucker". Als wir um 16.15 Uhr weiterfuhren, war das "Geschenk" fast vernichtet. In Saas-Grund war es bewölkt aber trocken. Nach dem wir das Zelt von Erich aufgebaut hatten, war es schon spät, so dass wir uns zum Abendessen einen Eintopf mit Fleischwurst und Brötchen machten. Da es kalt wurde, zogen wir uns in den VDB-Bus zurück. Im Radio mussten wir uns die 1:5 Niederlage von Deutschland gegen England anhören. Um 22.15 Uhr war Bettruhe.
So. 02.09.: Um 7.30 Uhr weckte ich Klaus. Nach dem Frühstück richteten wir unsere Rucksäcke. Heute wollten wir das Jägihorn über den neuen Klettersteig besteigen. Mit der Bergbahn fuhren wir zur Station Kreuzboden, wo wir um 9.35 Uhr, vorbei an der Weissmieshütte, zum Einstieg des Klettersteig gingen. Es war ein sonniger, warmer Tag. Um 11.00 Uhr stiegen wir in den mittelschweren Klettersteig ein und waren um 12.30 Uhr auf dem Gipfel des Jägihorns (3206m).
Von hier oben hat man eine tolle Aussicht auf die Mischabel- und Weissmiesgruppe. Nach einer ausgiebigen Gipfelrast waren wir um 14.30 Uhr wieder auf der Station Kreuzboden. Zurück auf dem Parkplatz der Bergbahn genossen wir ein kühles Bier in der Sonne. Heute hatten wir mehr Zeit zum Kochen. Klaus öffnete zum Essen eine gute Flasche Rotwein, den er in mitgebrachten Weingläsern kredenzte. Nachdem jeder eine doppelte Portion Salat und Schinkennudeln gegessen hatte, machten wir noch einen Bummel durch Saas-Grund. Hundemüde legten wir uns um 21.15 Uhr in unsere Schlafsäcke.
Mo. 03.09.: Dass es eine kalte Nacht war, sah man an dem gefrorenen Tau und den zugeeisten Autoscheiben. Strahlender Sonnenschein bei wolkenlosem Himmel versprach einen schönen Tag. Dies war auch die Wettervorhersage für heute. Für Dienstagnachmittag war ein Schlechtwettereinbruch mit Schneefall bis 1700m vorhergesagt. Mit dem VDB-Bus fuhren wir nach Saas-Fee und mit der Bergbahn weiter zur Station Hannig (2350m). Um 11.40 Uhr marschierten wir los zur Mischabelhütte. Das letzte Drittel des Aufstiegs war vor drei Jahren neu angelegt worden, weil der alte Weg stark durch Steinschlag gefährdet war. Der neue Weg gleicht einem Klettersteig und ist ziemlich anstrengend. Trotz einer Pause waren wir um 14.54 Uhr auf der Hütte. Dem Hüttenwart brachten wir die Tageszeitung und einen schönen Gruß von Mama und Papa mit. Den restlichen Nachmittag genossen wir, in der Sonne sitzend, das herrliche Alpenpanorama und trockneten unsere Kleider und Schuhe. Außer uns kamen noch drei ahnungslose Sachsen, die einen "4000er" besteigen wollten, und ein einzelner Bergsteiger mit Bergführer, welche die Lenzspitze-Nordwand durchsteigen wollten, auf die Hütte. Als wir gegen 21.00 Uhr ins Lager stiegen, war es draußen sternenklar und wolkenlos.
Di. 04.09.: Als der Hüttenwart die Treppe hochkam und sich im Zimmer gegenüber mit dem Bergführer besprach, wurde ich wach. Es war 4.00 Uhr. Ohne zu wecken ging der Hüttenwart wieder hinunter. Das bedeutete für mich, dass es entweder neblig sein musste oder es schneite. Um 5.00 Uhr weckte er dann und schilderte die Situation. Klaus und ich beschlossen nach dem Frühstück abzusteigen, solange die Bedingungen noch einigermaßen gut waren. Die drei Sachsen wollten wenigstens auf das Ulrichshorn steigen, was wir für sinnlos hielten. Als wir uns um 6.15 Uhr über den alten Weg an den Abstieg machten, schneite es und der Hüttenwart sagte zu uns, die Anderen sollten besser auch absteigen. Weiter unten ging der Schnee in einen heftigen Regen über, so dass wir kurz nach acht durchnässt auf der Station Hannig eintrafen. Die erste Bahn ging erst um 8.45 Uhr. Bis dahin suchten wir in einem Verschlag Schutz vor dem Regen und dem Wind. Während der Fahrt zurück zum Campingplatz "Am Kapellenweg", wärmten wir uns im VDB-Bus wieder etwas auf. Die Wetterprognose für den nächsten Tag war nicht günstig. Für unser nächstes Vorhaben, der Besteigung der Dufourspitze, brauchten wir optimale Verhältnisse, welche auf Grund des Neuschnees nicht bestanden. Deshalb beschlossen wir, alles zusammenzupacken und nach Hause zu fahren. Klaus war der Meinung, dass man es ein anderes Mal wieder versuchen sollte.
Fazit: Die Woche fing mit tollem Wetter gut an. Es war schade, dass der Wetterumschwung so früh kam und wir das Nadelhorn wieder nicht besteigen konnten, sowie die Tourenwoche abbrechen mussten. Für mich war es schon der dritte Versuch am Nadelhorn, der wegen des Wetters scheiterte.
Gez. Rudi