Bericht zur Bergtourenwoche vom 02. bis 09.09.2000

Sa. 02.09.: Pünktlich um 8.00 Uhr holte Rudi zuerst Fried und dann Hans zu Hause ab. Am Vorabend hatten wir bereits unser Gepäck, inklusive Mountainbikes, im VDB-Bus verstaut. Über Trösel fuhren wir zur Peterskirche, wo auch bald Klaus in seinem neuen 3-er Touring eintraf und bei uns zustieg. Zügig ging die Fahrt nach München. Rudi entschied sich durch München zu fahren, um den weiten Weg um die Stadt herum zu sparen. Um 10.20 Uhr legten wir auf dem Rastplatz Holzkirchen eine Pause ein. Auf der Weiterfahrt nach Österreich hatte Rudi die Befürchtung, ob der Sprit reichen würde, da er in Österreich das billigere Benzin tanken wollte. Einige Kilometer hinter der Ausfahrt Kufstein-Süd wurden dann ca. 66 l in den Tank gelassen. Mittlerweile regnete es als wir in den Tauerntunnel einfuhren, jedoch erwartete uns Sonnenschein auf der Südseite des Tunnels. In Prägraten eingetroffen, hatten wir zwei Campingplätze zur Auswahl. Wir besichtigten beide und entschieden uns für den, von seiner Lage her Schöneren. Nach dem Zeltaufbau stillten wir unseren ersten Hunger mit einem üppigen Salatteller. Nach einer Ortsbegehung wurde der zweite Gang verabreicht, bevor man um 21.00 Uhr ins Zelt kroch. Dort erzählte uns Hans noch von seinen Erlebnissen bei seiner Wanderung nach Südtirol.

So. 03.09.: Mit Böllerschüssen wurden wir geweckt, da im Ort eine Friedensprozession stattfand, die von Blasmusik begleitet wurde. Nach dem Frühstück wurden die Rucksäcke gepackt und zum Parkplatz im Dorfertal bei Hinterbichl gefahren. Hier erwartete uns ein ca. 4,5 stündiger Aufstieg zum Defreggerhaus (2963m). Bei recht gutem Wetter ging es zunächst zur Johannishütte (2121m) und bei einsetzendem Graupel- und Schneeschauer zu unserem Ziel. Im Defreggerhaus belegten wir ein 4-Bettzimmer. Außer uns waren noch weitere 12 Gäste auf der Hütte, darunter ein Postpensionär aus Karlsruhe mit dem Namen Karl Kull. Fried hatte sich den Magen verdorben, trotzdem wurde viermal das Bergsteigeressen bestellt. Die Wetterprognosen für den nächsten Tag waren ganz gut, jedoch wollten wir abwarten, bevor wir festlegten, auf welchen Gipfel wir aufsteigen würden.

Mo. 04.09.: Um 7.00 Uhr weckte uns Fried. Es hatte etwas geschneit, aber es war sonnig. Beim obligatorischen Hüttenfrühstück mit Kaffee, 2 Scheiben Brot, Butter und Marmelade entschieden wir uns, auf den Großvenediger (3674m) zu steigen. Nach einem Drittel der Strecke fing es an zu graupeln und zu schneien, es wurde windiger und die Sicht immer schlechter. Zum Glück ging vor uns eine Gruppe mit Bergführer, deren Spur wir folgen konnten. Nach 2,5 Std. standen wir auf dem Gipfel. Ein Händedruck ein Gipfelfoto und wieder los.

Nach weiteren 75 Min. waren wir wieder zurück auf der Hütte. Auf Zimmer 7 legten wir eine Verpflegungspause ein, verpackten unsere zurückgelassenen Sachen im Rucksack und stiegen wieder ab. Das Wetter war sehr wechselhaft. Auf der Johannishütte legten wir noch einen Einkehrschwung ein. Auf der Rückfahrt nach Prägraten kauften wir noch für das Abendessen ein. Es ist kühl und regnerisch als wir nach dem Essen noch einen Rundgang durchs Ort machten, wobei wir bei einem Telefonat erfuhren, dass Arthur Schäfer gestorben war. Zum Abschluss kehrten wir in die schöne Gastwirtschaft beim Campingplatz ein. Hier fassten wir den Entschluß, am nächsten Tag nach Südtirol zu fahren, um dort bei besserem Wetter einige Touren zu unternehmen.

Di. 05.09.: Nach einer ruhigen Fahrt mit einem Abstecher nach Onach und Montal, wo wir Adolf und Helmut eine Nachricht hinterließen, trafen wir auf dem Campingplatz Colfosco bei Corvara ein. Es war sonnig, aber es blies ein frischer Wind. Rudi hatte unterwegs Nähzeug gekauft um seinen Rucksack zu reparieren. Gegessen wurde heute aus den Rucksackbeständen. Anschließend spazierten wir nach Corvara, suchten einen Geldwechselautomaten und tauschten unsere Schillingscheine in Lire um. In der Campingplatz-Bar, die um 21.00 Uhr schloß, genehmigten wir uns noch ein Bier. Als wir ins Zelt und unsere Schlafsäcke schlüpften, war es "saukalt".

Mi. 06.09.: Eine sehr kalte Nacht lag hinter uns, doch beim Frühstück im Sonnenschein war das bald vergessen. Wir fuhren zum Sella-Paß (2244m) und marschierten zum Einstieg der Ferrata Pößnecker. Nach 2,5 Std. Kletterei, in diesem schönen und schwierigen Klettersteig, standen wir auf dem Piz Selva (2941m).

Einer ausgiebigen Rast mit toller Rundsicht folgte der Abstieg über den Normalweg. Dieser ist am Schluss sehr steil, was gewaltig in die Knochen ging. Ein steiler Gegenanstieg und ca. 2 km auf der Paßstraße führten uns zurück zum Bus. In einer Gastwirtschaft oberhalb Colfosco kehrten wir zum Abendessen ein. Beim Verlassen der Wirtschaft vermisste Rudi seine Geldbörse. Klaus fand diese vor der Treppe. Trotz der späten Heimkehr nahmen wir noch eine heiße Dusche.

Do. 07.09.: Heute standen wir erst um 10.00 Uhr auf. Es hatte die ganze Nacht geregnet, aber es schien ein schöner Tag zu werden. Nach Mittag verließen wir den Campingplatz zu einer Mountainbiketour. Zuerst fuhren wir auf den Campolongo-Paß (1837m) und dann links ab zur Munt Cherz (2031m). Die herrliche Aussicht entschädigte für die zum Teil sehr steile Strecke. Zurück auf dem Zeltplatz wurde noch einmal selbst gekocht. Ein kräftiger und kalter Wind trieb uns jedoch bald in die Campingplatz-Bar.

Fr. 08.09.: Als wir um 8.00 Uhr aufstanden, empfing uns ein strahlend blauer Himmel. Nach einer kalten Nacht sollte es heute sehr warm werden. Am Parkplatz auf dem Pordoi-Paß (2239m) stellten wir den Bus ab. Vorbei am Kriegerdenkmal, das wir besichtigten, stiegen wir zum Einstieg der Ferrata Cesare Piazzetta auf. Der Einstieg gilt als sehr schwierig und erfordert Armkraft. Nach 2,5 Std., inklusive Pause, standen wir auf dem Gipfel des Piz Boe (3152m).

Hier oben herrschte viel Publikumsverkehr. Bedingt durch die etwa 1 Std. entfernte Seilbahn befanden sich bei diesem herrlichen Wetter eine Menge Menschen auf dem Gipfel und seinen Wegen dort hin, bzw. zurück. Beim Abstieg zum Pordoi-Paß machten wir noch in dem Refugio Forcella Pordoi (2894m) halt. Bei tollem Wetter hatten wir eine schöne und schwere Tour zurückgelegt. Den Abschlussabend unserer diesjährigen Tourenwoche verbrachten wir ausgiebig im Restaurant "Foriculum". Als Betthupferl spendierte uns die Bedienung noch einen Williams.

Sa. 09.09.: Vor der Heimfahrt musste erst wieder alles im VDB-Bus verstaut werden. Es war wieder ein herrlicher Tag und der Autoverkehr war, bis auf einen Stau vor der Mautzahlstelle, weniger als erwartet. In Pfronten-Weißbach machten wir eine Mittagspause und waren dann kurz nach 19.00 Uhr in Weinheim, wo wir Klaus bei seiner Schwiegermutter abluden. Bevor wir in der Feuerwache Ost einkehrten, hängten wir das Zelt bei Rudi zum Trocknen auf und reinigten den Zeltboden

Dass wir in Prägraten die Zelte abgebaut hatten und nach Corvara gewechselt waren, war die richtige Entscheidung. Dadurch haben wir noch eine schöne Tourenwoche verbracht.

gez. Rudi