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Bericht zur Bergtourenwoche vom 04. bis 11.09.1998
Fr. 04.09.: Gleich nachdem ich zu Fried ins Auto eingestiegen war, teilte er mir mit, daß er
wahrscheinlich für die Bergtour passen müsse. Er war in der Nacht mit starken Schmerzen im Knie wach
geworden. Im Laufe des Vormittags war er bei Dr. Frieder zu Untersuchung, der im das Bergsteigen verbot.
Wie immer wurde dann am Abend unser VDB-Bus gepackt und mit einer Vignette versehen. Bergfreund Wolfram
brachte uns noch einen Kasten Jever vorbei, da er wegen des MSC-Jubiläums nicht an der Tour teilnehmen
konnte. Auch Bergfreund Erich hat uns mit einer Flasche Doppelkorn für seine Abwesenheit bei der Tour
entschädigt.
Sa. 05.09.: Um 6.00 Uhr holte ich Günter Z. zu Hause ab und setzte ihn beim Bäcker ab. Während er
Brötchen für unser Frühstück besorgte, holte ich Hans ab. Gemeinsam fuhren wir nach Weinheim, wo wir
Klaus an der Peterskirche aufnahmen. Bei zum Teil starkem Regen fuhren wir über die Autobahn in Richtung
Basel und weiter zum Rastplatz Teufengraben, wo wir um 9.35 Uhr mit Weck und Fleischwurst die erste
Pause einlegten. Über Bern und Fribourg, vorbei am Genfer-See und Martigny erreichten wir um ca. 13.00
Uhr im St. Bernhard-Tunnel die Grenze nach Italien. Mittlerweile hatte sich das Wetter gebessert, so
daß wir bei strahlendem Sonnenschein über Arosa ins Valsavaranche nach Pont fahren konnten, welches wir
gegen 14.30 Uhr erreichten. Bei starkem Wind bauten wir unser Zelt auf. Zum Abendessen gab es Steaks
und Bratwurst mit Bratkartoffeln (na ja) und Tomatensalat. Für eventuelle Bauchschmerzen hatte uns
Fried noch eine Flasche Kirschwasser mitgegeben. Nach dem Geschirrspülen unternahmen wir noch einen
Spaziergang. Am Abend zogen Wolken auf. Auf dem Zeltplatz schlicht ein Fuchs auf der Suche nach etwas
Eßbaren herum. Es war kalt und ungemütlich, so daß wir uns ins Zelt zurückzogen. Später begann es zu
regnen.
So. 06.09.: Als wir um 9.00 Uhr aufstanden, strahlte uns ein blauer Himmel entgegen. Zum Frühstück gab
es frische Brötchen, Marmelade und einen heißen Kaffee. Am Zelteingang war der Reißverschluß defekt,
der mit Leukoplast notdürftig verschlossen wurde. Rucksack packen, Füße präparieren und los ging es bei
herrlichem Wetter zum Rifugio Vittorio Emmanuelle. Nach etwa 2 Std. hatten wir die in 2735m Höhe
gelegene Hütte erreicht, die auch von Tagesgästen stark frequentiert wird. Für die folgenden zwei
Nächte reservierten wir uns ein 4-Bettzimmer mit Frühstück. Den Rest des Nachmittags relaxten wir in
der Sonne vor der Hütte und warfen einen Blick auf den 3660m hohen Ciaforon, der hier das Panorama
überragt. Auch konnten wir ein Wiesel beobachten, das sich mit Essenresten den Bauch vollschlug. Wir
machten dies mit Pasta a Ragu. Mit Rotwein stießen wir auf unseren Bergfreund Fried an, der zum ersten
mal bei einer Tour fehlte. Um 22.00 Uhr war Bettruhe.
Mo. 07.09.: Um 6.00 Uhr weckte ich meine Bergfreunde. Als wir kurz nach 7.00 Uhr an der Hütte
losmarschierten sahen wir hinter der Hütte zwei Steinböcke. Es war an diesem Morgen bedeckt, aber nicht
kalt. Auf unserem Weg zum La Tresenta haben wir eine Abzweigung verpaßt und mußten deshalb über einen
Gletscher queren. Am Fuße des Berges ließen wir unsere Rucksäcke zurück und stiegen über Geröll und
Blockwerk zum Gipfel in 3609m Höhe, den wir nach genau 3 Std. Gehzeit erreichten. Da das Wetter nicht
besonders gut war hielten wir uns nur kurz auf dem Gipfel auf. Nach einer Rast bei den Rucksäcken ging
es zurück zur Hütte. Es wurde immer nebliger und als wir wieder auf der Hütte waren begann es zu regnen.
Zu einer Siesta zogen wir uns auf unser Zimmer zurück. Später erkundete ich den Weg zum Gran Paradiso
und mußte feststellen, daß die Wegbeschreibung in Führer und Karte nicht mehr stimmen. Bei Minestrone,
Pasta und Rotwein ging ein ruhiger Tag zu Ende.
Di. 08.09.: Für 5.00 Uhr war das Frühstück bestellt. Der Hüttenwirt fragte immer wieder nach, ob noch
etwas fehle, überhaupt ist die Bewirtung und die Sauberkeit der Hütte zu loben. Mit Stirn- und
Taschenlampe marschierten wir um 5.40 Uhr an der Hütte los. Es war immer noch bedeckt. Unser Weg führte
uns über den Rücken einer Moräne und durch eine Felswand zum Gletscher. Dort legten wir unsere
Ausrüstung an. Mittlerweile trafen auch andere Gruppen ein. Das Wetter zog sich immer mehr zu, als wir
als erste die Spur auf dem Gletscher aufnahmen. Die Spur selbst war allerdings durch Neuschnee zugeweht
und für Klaus, der vorging, nur schlecht zu erkennen. Im Zickzack ging es im Nebel vorbei an Spalten
den Gletscher hoch, bis keine Spur mehr zu sehen war. Wir gingen trotzdem weiter und trafen nach
einiger Zeit tatsächlich wieder auf eine einigermaßen erkennbare Spur. Kurz vor dem Gipfel riß es
gelegentlich auf, bis wir dann endlich aus dem Nebel in die strahlende Sonne treten konnten. Nach 4 ½
Std. standen wir auf dem Gipfel des 4061m hohen Gran Paradiso. Der Ausblick war herrlich, da nur die
Gipfel über 4000m aus dem Wolkenmeer ragten. Als wir nach einer ½ Std. wieder abstiegen trafen die
nächsten Seilschaften ein. Beim Abstieg wurde es uns ziemlich warm, da es die Sonne geschafft hatte,
den Nebel zu verdrängen. Dadurch hatten wir einen tollen Blick auf unsere Aufstiegsspur in dem
Spaltenwirrwarr des Gletschers. Punkt 12.00 Uhr legten wir am Anseilplatz eine ¾ Std. Pause ein und
ließen uns von der Sonne die verschwitzten Kleider trocknen. Nach einer weiteren Stunde waren wir
wieder auf der Hütte zurück, räumten dort unser Zimmer, bezahlten die Rechnung und tranken in der Sonne
noch ein Bier, bevor wir über den gut ausgebauten Weg wieder zurück nach Pont gingen. Dort angekommen
genossen wir bei Kaffee und Bier die Nachmittagssonne, betrieben Körperpflege und gingen zum Abendessen
in das Restaurant am Campingplatz. Da dort die Bedienung anscheinend kein Geschäft machen wollte,
entschlossen wir uns, selbst zu kochen. Günter war zu erst skeptisch, ließ sich jedoch von unseren
Kochkünsten überraschen. Spaghetti mit einer Soße aus Salami, Paprika, Zwiebeln, Knoblauch und Ketchup
standen auf der Speisekarte. Dazu ein Bier und ein Verdauerle, bevor gegen 21.30 Uhr Zeltwache
angesagt war. Ein erfolgreicher und herrlicher Tag ging zu Ende.
Mi. 09.09.: Am Vorabend hatten wir zwei meiner Vorschläge besprochen und uns als weiteres Ziel das
Nadelhorn im Wallis ausgesucht, wozu wir den Standort wechseln mußten. Also wurde nach dem Frühstück
das Zelt abgebaut und der Bus beladen. Heute herrschte wieder herrliches warmes Wetter. Auf unserer
Fahrt durch Arosa zum St. Bernhard kauften wir noch Lebensmittel für das Abendessen ein. Um 16.00 Uhr
trafen wir auf dem Campingplatz "Kapellenweg" in Saas Grund ein. Zeltaufbau, Capuccini trinken und
Abendessen vorbereiten sind unsere nächsten Aufgaben. Heute gab es Schinkennudeln mit einem
Tomaten-Käse-Eier-Paprika-Salat. Als wir dann noch einen Spaziergang nach Saas Almagell unternahmen
zogen wieder Wolken auf und ein warmer Wind blies uns um die Nase. Keine guten Aussichten!
Do. 10.09.: Wieder Erwarten war heute schönes Wetter, so daß wir mit dem VDB-Bus nach Saas Fee fahren
konnten. Um den Weg zu verkürzen, fuhren wir mit der Hannig-Alp-Bahn auf 2300m Höhe auf. Die
Wetterprognosen für den nächsten Tag waren schlecht, trotzdem stiegen wir in nicht ganz 3 Std. zur
Mischabel-Hütte auf. Außer uns waren nur zwei Holländer auf der Hütte. Wir richteten unser Lager ein
und vertrieben uns die Zeit auf der Hütte. War vorher schon die Mischabelgruppe in Wolken so zogen sich
jetzt auch Allalinhorn und Alphubel zu. Daraufhin beschloß ich sofort wieder abzusteigen, da ich keine
Chance sah, am nächsten Tag das Nadelhorn zu erreichen. Auch wollte ich nicht im Regen nach Saas Fee
absteigen. Da keine Einwände kamen, brachten wir das Lager wieder in Ordnung, packten unsere Rucksäcke
und stiegen kurz nach 18.00 Uhr wieder ab. Es war schon dunkel, als wir um 20.45 Uhr auf dem Parkplatz
unsere Ausrüstung in den Bus verstauten (es hätte früher sein können, jedoch hatte ich einen Umweg
eingeschlagen). Bei einer Pizza im Restaurant " Zur Tenne" beschlossen wir den Tag.
Fr. 11.09.: Um 1.30 Uhr öffneten Hans und Klaus gegen den Durst eine Flasche Bier. Draußen war es
teilweise Sternen klar. Irgendwann am Morgen begann es zu regnen. Damit wir im Zelt frühstücken und
Kaffee kochen konnten, mußten wir erst die Schlafsäcke und Luftmatratzen auf die Seite räumen. Bei
Regen bauten wir das Zelt ab und verstauten es triefend naß im Bus. Um 10.20 Uhr fuhren wir am
Campingplatz ab. Als wir in Kantersteg mit der Zugverladung aus dem Tunnel kommen, regnete es immer
noch. Erst kurz vor Basel wurde das Wetter besser. Traditionell nahmen wir auch dieses mal wieder unser
Mittagessen in der Raststätte Weil am Rhein ein. Auf der Weiterfahrt nach Hause erreichte um 14.48 Uhr
bei der Ausfahrt Hartheim/Heitersheim unser VDB-Bus die 100.000 km, was mit einer Dose Bier gefeiert
wurde. Klaus konnten wir in Weinheim abladen. Wir anderen fuhren zu mir, wo wir das Zelt und den
Zeltboden reinigten und zum Trocknen aufhängten. Der Bus wurde innen gereinigt und die Sitzbank wieder
eingebaut. Mit einem Bier wurde eine doch erfolgreiche Tourenwoche beendet. Daß wir wieder einmal
vergebens auf die Mischabelhütte aufgestiegen waren, wird bei einigen Bergfreunden für Erheiterung
sorgen. Abschließend kann man jedoch sagen, daß wir mit dem Wetter Glück hatten und somit zufrieden
sein konnten.
gez. Rudi |