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Bericht zur Bergtourenwoche vom 28.08. bis 04.09.1993
Die beteiligten Bergfreunde Rudi, Hans, Günter Z., Fried und Erich legten die Abfahrtszeit
nach Täsch für 6.00 Uhr an der Feuerwache Ost fest. Gast Walter Gruber wartete in Weinheim
an der Peterskirche. Rudi, der es sich nicht nehmen ließ seine Alpinisten mit dem neu
gestylten VDB-Bus selbst ziemlich pünktlich abzuholen, lies dem alt bewährten Fahrer Hans
keine Chance. Mit neuem Lack und altem Hallgeber ging es dann los. Bereits am Wegweiser
Richtung Unterflockenbach verstummte das VDB-Gefährt. Nichts wie raus aus Oberflockenbach,
rollen lassen, damit uns niemand sieht, hallte es im ganzen Bus. Schließlich stand die
Kerwe vor der Tür. An der Dreh räumten wir aus und wieder ein, der Bus lief wieder.
Schlimmer kann es nicht mehr kommen, dachten wir, aber es kam schlimmer. Walter glaubte
uns die Hallgeberstory nicht, doch er sollte sich später im Rhonetal noch selbst überzeugen
können. In zügiger Fahrt ging es in die Schweiz, verbunden mit der traditionellen Rast am
Teufengraben. Eiger, Mönch und Jungfrau auch dieses Jahr in Nebel und Dunst. Weiter nach
Kandersteg, zur Zugverladung, um bei Dunkelheit mit angezogener Handbremse, ins hoffentlich
gute Wetter zu rütteln. Mit Filmaufnahmen (Video Gruber) ging es weiter ins
Mattertal, vorbei an dem gewaltigen Erdrutsch bei Randa, nach Täsch.
Relativ schnell stand der Platz für das Basislager fest. Wir begannen mit dem Aufbau des
VDB-Zeltes. Gehalten von vielen Händen bereitwilliger Bergfreunde schlabberte das Zelt so
in sich hin und her. Wo waren die Heringe??? Auf dem Speicher im Sandweg in Oberflockenbach
im Materiallager des Vorstandes. Ein mit Eispickel, Hammer und Felsbrocken fixiertes Zelt,
gab bestimmt manchem Fahrgast des Clacier-Expresses Anlass zum Nachdenken. Nach Verweilzeit
bei einem Bierchen (wir hatten fast nichts dabei) öffneten dann die Geschäfte, so dass die
ersten Heringsfränkli in die Hände der Walliser Geschäftsleute flossen. Den heutigen Tag
beendeten wir mit einer Wander- und Wirtschaftstour in Täsch (1450m). Im Voraus sei bemerkt,
dass wir es uns gut gehen ließen, wir hatten ja Urlaub.
Am Sonntag, war wie so üblich, zum Einstieg ins hoch-alpine Gefühlsleben, eine leichte Tour
angesagt. Der schönste Aussichtsberg rund um Zermatt, das Mettelhorn, stand auf dem Programm.
Mit dem Pendler nach Zermatt (1616m), so begann die herrliche Tour. Mit nur wenig Gepäck im
Rucksack stiegen wir über Edelweiß nach Trift. Nach einer Pause führte uns die problemlose
Tour zum Gipfel des Mettelhorns (3406m). Zum Glück hatte sich das Wetter aufgemacht und
unsere Mühe wurde mit teilweise großartiger Aussicht belohnt. Der Abstieg wurde dann zur
"Eingehtour". Am Abend, erklärten wir nach eingehenden Diskussionen, den Montag als Ruhetag.
Mit Fassbier, Skat und ähnlichen Dingen kann man den Tag locker kurzweilig gestalten.
Der Dienstag führte uns in ein neues Gebiet, dem französischsprachigen Zinal (1675m).
Allein die Straße ins Tal versprach bereits vieles an Schönheit. Nach kurzer Bewunderung
des romantischen Dorfes und Kauf einer Wanderkarte, rüsteten wir uns zum Aufstieg zur
Tracuithütte. Walter blieb wegen Gelenkschmerzen auf eigenen Wunsch zurück. Meter für
Meter stiegen wir stetig bergauf. Führt der Weg nicht an dem Wasserfall vorbei? Nein,
aus diesem Grund ergab es sich eine Abkürzung zu steigen, die so steil war, daß die
Knopflöcher unserer Hemden, voller Gras waren. Vom Kräfteverschleiß gar keine Rede!
Günter und besonders Erich verschmerzten die Abkürzung nicht ohne weiteres. An der
Tracuithütte (3256m) angekommen, meldeten wir uns zu Abendessen, Übernachtung und
Frühstück an. Das Matratzenlager war geräumig genug, doch die uns zugeteilten Plätze
erforderten schon beim Besteigen Geschick. Rudi hatte den Platz mit dem niedrigsten
Deckenniveau. Morgens ließen wir uns Zeit, bis sich der Trubel löste und gingen erst
bei Helligkeit los. Das Bishorn ist eine leichte Gletschertour. Bedingt durch eine
Steigeisenreparatur und eine führende Luxusseilbremse war die Gehzeit etwas länger.
Glücklich auf dem Gipfel (4158m), machte das Weißhorn (4505m) einen gewaltigen Eindruck.
Nach einigen Fotos stiegen wir wieder ab. An der Tracuithütte pausierten wir nochmals, um
dann nach Zinal abzusteigen. Walter empfing uns mit seiner Videokamera, anstatt mit einem
kühlen Bier. Er dachte nicht an Durst, weil er am Vorabend mit einigen, angeblich
anderssprachigen, männlichen Fremden ein Rotwein-Gelage hatte. Sehr nachdenklich stimmte
uns seine Nachricht, dass in Zermatt ein Unglück geschehen sei. Tatsächlich war es so,
dass am Castor 16 Personen wegen einem losen Schneebrett abgestürzt waren. Drei Tote waren
zu beklagen. Wir fuhren zurück nach Täsch. Rudi telefonierte nach Hause. Er brachte in
Erfahrung, dass unsere Frauen und das halbe Dorf sich bereits Sorgen um uns machten.
Eigentlich war die gemeinsame Fahrt zum Kleine Matterhorn geplant, um dann Castor, bzw.
Pollux zu besteigen. Der Castor war somit tabu.
Am Donnerstag bummelten wir durch Zermatt, um dann auf der Sonnenterasse in Winkelmatten
fast zu versacken. Die Marschroute für Freitag war jetzt klar. Rudi und Erich fuhren mit
dem ersten Zug nach Zermatt und weiter aufs Kleine Matterhorn (3883m). Für die Beiden
stand der Pollux auf der Liste. Die Anderen fuhren nach Schwarzsee und wanderten zur
Hörnlihütte. Am Pollux war das Wetter noch gut, während bei der Hörnlitour ein schroffer
Wind ging. Treffpunkt nach der Rückkehr war die Sonnenterasse beim Restaurant Klein
Matterhorn in der Nähe der Seilbahn. Der Abschlussabend verlief glimpflicher als vor
Jahren im Alphubel bei der Kirche in Täsch.
Am Samstagmorgen beeilten wir uns mit dem Packen. Das Wetter gab uns Recht. Als wir zur
Abfahrt die Türe des Busses zuschlugen, regnete es. Die Schneefallgrenze sank auf 1500m.
Wir fuhren dieselbe Strecke zurück, verbunden mit dem traditionellen Spiegelei mit Pommes
in Weil am Rhein. Walter luden wir in Weinheim ab, anschließend wie immer in die
Feuerwache Ost zum letzten Urlaubsprost.
Diese VDB-Urlaubswoche gestaltete sich bei optimalen Wetter, als vernünftig gemischte
Angelegenheit, zwischen Anstrengungen und Ruhephasen. Neue Eindrücke und zwei weitere
Viertausender schlugen zu Buche. Die Kameradschaft war beispielhaft.
gez. Erich |