Bericht zur Bergtourenwoche vom 08. bis 12.09.1990

Die diesjährige VDB Urlaubswoche, die leider mit kurzfristigen, allerdings verständlichen Absagen einiger Bergfreunde gezeichnet war, begann am Freitagabend, den 07.09.90. Ich fand den Bus auf der Hebebühne beim Co., wo Günter H. noch schnell einen neuen Magnetschalter einbaute. Danach ging es zur Feuerwache Ost in die Fahrzeughalle zum Packen. Unsere Sachen verstauten wir zum Großteil in den Anhänger, den uns Hans immer wieder "kostengünstig" zur Verfügung stellt. Alles schien sehr gut zu klappen, bis auf die Beleuchtung am Anhänger, die verrückt spielte. Bei der Reparatur reparierten wir Stecker und Steckdose kaputt, so dass wir uns mit einem Provisorium weiterhalfen. Nach dem Bettrunk in der Küche der Feuerwache nahm ich den Bus mit auf den "Bangert".

Samstag: Pünktlich um 3.45 Uhr fuhr ich mit dem Bus Hans abholen. Als wir zur Wache fuhren wartete bereits Fried, Rudi kam gerade, Klaus und Hans Trillig waren schon etwas früher da. Hans Trillig ist ein Arbeitskollege von Fried, kommt aus Fürth und fuhr als VDB-Gast mit in die Berge. Genau um 4.00 Uhr starteten wir. Die erste "Pi-Pause" machten wir vor Adelsried. Um 9.00 Uhr tankten wir (Naterstetten) und Hans übernimmt das Steuer. Exakt um 9.20 Uhr zischt es zweimal. Fried und ich quälen uns das erste Weizen aus der Dose rein. Kurz nach 11.00 Uhr machen wir Mittagspause am Rastplatz Kniepass, 54 km von der Großglockner Hochalpenstraße entfernt. Nach der Weiterfahrt kamen wir an die Mautstelle (320 Öschis). Der Himmel zeigte sich stark bewölkt und oben an der Glocknerstraße konnte wir uns in ca. 20 cm Neuschnee tummeln. Nun ging es abwärts zum Kasereck, von wo aus wir den fast wolkenfreien Großglockner (379? m) sehen konnten. Das Wetter wird immer besser. Um 14.15 Uhr kommen wir in Heiligenblut (1288 m) an und bauen das Zelt auf. Endlich sollte der neue Gasgrill von Fried getestet werden. Doch wie sollten wir grillen, wenn Fried den Regler vergessen hatte, was übrigens nicht das einzige Vergessene war. Hier präsentierte sich unser ZbV Hans in Hochform. Von einem eingefleischten Camper, der schon seit ca. 20 Jahren nach Heiligenblut kommt, lieh er sich den Regler. So konnten wir Vor- und Nachspeise, die aus feingewürzten Knoblauchsteaks bestand, vertilgen. Während dem Essen sind unsere Gedanken ("Wir danken Dir, oh Herr") bei Bergfreund Bernhard, der uns bei jedem Trip versorgt. Dazwischen machten wir eine kleine Wanderung zum Hallenbad und durch die City von Heiligenblut; bei der "Oma" tranken wir zwei Bier. Zum Abschluss des Abends machten wir (trotz Kerzenlicht) noch den Antrittsbesuch im Almcasino.

Sonntag: Hell begeistert von ständigem Glockengeläute standen wir um 7.00 Uhr auf. Nach dem Frühstück (Kaffee, Tee, frische Brötchen) fuhren wir um 8.30 Uhr ins Fleißtal, der Ausgangspunkt um den "Hohen Sonnblick" zu ersteigen. Gegen 8.50 Uhr gingen wir los, am alten Pocher vorbei, den Werkweg hoch, bis der Pfad in Richtung Sonnblick abzweigte. Bei der Pause um 11.15 Uhr kurz vor dem Gletscher, legte Rudi seinen Foto sehr ungeschickt hin, so dass Fried ihm das Bier darüber leeren musste. Es war ein Bilderbuchwetter und der Großglockner präsentierte sich uns in voller Schönheit. Den Gipfel (3105 m) erreichten wir gegen 13.00 Uhr. Hier bleibt noch anzumerken, dass ich auf Grund meiner Topform eine halbe Stunde später ankam. Das Bier im Zittelhaus schmeckte mir aber trotzdem. Um 14.20 Uhr stiegen wir in Richtung Zirmsee wieder ab. Unsere Steigeisen, Kletter- und Sitzgurte, Karabiner, Eisschrauben, Pickel, Seile usw. hatten wir zwar nicht gebraucht, aber jetzt waren sie an die Höhe gewöhnt. Hans T. zerrte sich beim Abstieg, konnte aber gottlob weitergehen. Es war für ihn auch das Beste, denn Fried ermutigte ihn sehr, indem er sagte: "Do misse mer jo de Hubschrauwer holle"! Am Zirmsee angekommen machten wir Mittagspause. Gegen 17.30 Uhr saßen wir beim Alpengasthof "Alter Pocher" (180? m). Am Campingplatz angekommen (19.00 Uhr) machten wir uns frisch und aßen im Almcasino zu Abend.

Montag: Wir standen etwas später auf (7.45 Uhr) um nach dem Frühstück zur Franz-Josefs-Höhe zu fahren. Wir wollten den Fuscherkarkopf (3336 m) an der Gamsgrube besteigen. Klaus war der Leithammel, der uns auf falschem Pfad führte, mit einem Zeitverlust von ca. 1 Stunde. Doch dann ging es klettersteigmäßig bergauf. Das Wetter war fast stürmisch. Hans fühlte sich etwas unsicher und ich stieg deshalb mit ihm ab. Um 13.15 Uhr waren wir auf der Hofmannshütte und warteten auf Rudi und Hans T. die ebenfalls umgekehrt waren. Fried und Klaus waren fast auf dem Gipfel. Nach einem gemeinsamen Bier in der Hofmannshütte fuhren wir zurück nach Heiligenblut. Fried und ich tankten den Bus und anschließend trafen wir uns alle in der Casa wieder. Abends saßen wir wieder im Almcasino. Die Lage war wegen des schlechten Wetters äußerst ungewiß. Sollten wir die Zelte abbrechen und nach Südtirol fahren?

Dienstag: Es regnete nachts und bei Fried war das Zelt etwas undicht. Das Wetter war wechselhaft, die Schneefallgrenze lag bei 1600 m, die Temperatur in 2000 m bei 3 Grad C. Beim Frühstück einigten wir uns, doch noch in Heiligenblut zu bleiben. Wir packten einen Rucksack, den zunächst HansT. trug, was ihm durch Rudis Stockeinsatz fast zum Verhängnis wurde. Die Wanderung führte uns zunächst zum Gößnitzwasserfall, dann zur Bruchalm, zur Trogalm und wieder zurück nach Heiligenblut. Klaus erklärte sich bereit Hans T. beim Rucksacktragen abzulösen. Es war ein seltener Anblick Klaus einmal mit einem richtigen Rucksack zu sehen. In Heiligenblut angekommen, sorgten wir im "Laterndel", einer normalerweise sehr ruhigen Kneipe, für den Flüssigkeitshaushalt unserer Körper. Hans T. war einige male verwundert, wie hoch der Bedarf bei uns ist.

Mittwoch: So gegen 8.15 Uhr standen wir auf. Das Wetter war sozusagen saumäßig, so dass der Beschluss für die Heimfahrt ziemlich schnell feststand. Nachdem alles verstaut war, fuhren wir nach der Handtuchrunde um 10.10 Uhr endgültig los. Da die Glocknerstraße nur mit Ketten befahrbar war, mussten wir durch den Felbertauerntunnel (180 Öschis) fahren. Rudi lotste uns im direkten Weg (Kössen) in Richtung Grenze, wo wir kurz vor dieser um 13.35 Uhr Mittagspause machten. Hier übernahm Hans M. wieder das Steuer und die weitere Heimfahrt verlief reibungslos. Anmerken möchte ich, dass wir erstmals in Österreich in den Hohen Tauern waren.Unsere Jagd auf die 4000er der Schweiz scheint vorerst eingestellt. Den Großglockner werden wir für den VDB-Urlaub 1991 als lohnendes Ziel im Auge behalten.

gez. Rudi