|
|
|
Bericht zur Bergtourenwoche vom 24.08.-30.08.1985 im Monte-Rosa-Massiv
Teilnehmer: Bernhard, Erich, Fried, Günter H., Günter Z., Hans und Rudi
Mit den Bergfreunden Friedrich, Erich, Günter Z., Günter H., Bernhard, Hans und Rudi waren wir am Samstag, den 24.08.1985, mit
unserem VDB-Bus nach Alagna im Valsesia (Italien) südlich des Monte-Rosa-Massivs, angereist. Der für den nächsten Tag geplante
Aufstieg zur Gnifettihütte fiel buchstäblich ins Wasser, jedoch versprach der Wetterbericht für die kommenden Tage Besserung.
Bei immer noch schlechten Bedingungen packten wir am Montag morgen unsere Rucksäcke und fuhren mit der Bergbahn zur Bergstation
Punta Indren (3260m). Hier oben blies ein starker Wind und die Sicht betrug nur wenige Meter. In der Wartehalle der Bergstation
kamen wir mit zwei Österreichern ins Gespräch, die zur Mantovahütte aufsteigen wollten und den Weg dorthin schon einmal gegangen
waren. Nach kurzer Beratung beschlossen wir, uns den beiden anzuschließen. Wir bildeten drei Seilschaften und machten uns auf den
Weg. Der Wind blies so stark von vorn, dass man die Spur des wenige Meter entfernten Vordermannes nicht mehr sehen konnte. Durch
den starken Gegenwind blieb einem regelrecht die Luft weg. Beeinträchtigt durch die schlechte Sicht, Schneefall und Wind war es
nicht einfach, den richtigen Weg zu finden. Nach ca. 2 Std. Aufstieg über den Indrengletscher und vereiste Felsen erreichten wir
die Mantovahütte (3498m), die etwa 200m unterhalb der Gnifettihütte liegt. Gegen Abend wurde die Sicht besser, jedoch blies der
Wind immer noch so stark, dass man sich, wenn man auf das stille Örtchen wollte, beim Verlassen der Hütte am Blitzableiter
festhalten musste.
Am anderen Morgen empfing uns strahlender Sonnenschein und eine tolle Sicht, aber es war klirrend kalt. Dick vermummt und voll
ausgerüstet machten wir uns in zwei Seilschaften auf den Weg zum Lisjoch. Beim Aufstieg mussten wir an der Gnifettihütte (3625m)
vorbei und gingen über den Lisgletscher weiter nach Norden. Die großen Spalten und die zerklüfteten Eiswände unterhalb der
Vincentpyramide ließen wir mit Respekt hinter uns. Über eine Steilstufe und vorbei am Felsriegel des Balmenhorns erreichten wir
das Lisjoch (4151m). Auf dem Weg hierher hatten wir immer wieder einen tollen Blick auf das Mont-Blanc-Massiv und den Gran
Paradiso. Bei einer kurzen Rast genossen wir die Aussicht auf den Liskamm (4527m) mit seiner steilabfallenden Nordwand und der
Gipfelwächte, das dahinter liegende Breithorn (4160m) und dahinter das Matterhorn (4484m).
Auf Grund der mangelnden Akklimatisation und der großen Höhe hatten Bernhard und Günter Z. schon am Morgen über Kopfschmerzen und
Unwohlsein geklagt, weshalb sie sich ausklinkten und zur Mantovahütte zurückkehrten. Wir restlichen Vier stiegen vom Lisjoch aus
über den Nordwestgrad auf die Ludwigshöhe (4341m). Von hier oben hatten wir einen herrlichen Rundblick, wie er schöner nicht
sein konnte. Sämtliche Gipfel des Monte-Rosa-Massivs lagen vor uns. Auf der Signalkuppe (4554m) war die Punta Margeritha, die
höchst gelegene Hütte der Alpen, zu sehen. Im Norden waren die Berner Alpen mit Eiger, Mönch und Jungfrau zu erkennen. Der
Aletschgletscher, größter Gletscher der Alpen, sowie die Mischabelgruppe mit Dom und Täschhorn lagen davor. Die gleichmäßige
Pyramide des Weisshorn und Zig, weitere Viertausender, rundeten das Bild ab. Nach Süden reichte der Blick bis zum Turiner
Hausberg, dem Monviso (3840m), welcher an der Po-Quelle liegt.
Der Abstieg führte uns nach Süden unterhalb des markanten Schwarzhorns vorbei zum Balmenhorn (4167m) und nach einem kurzen
Aufstieg standen wir auf diesem Felsrücken. Die hier stehende Christusstatue war vereist, denn es war trotz strahlenden
Sonnenscheins immer noch bitterkalt. Der weitere Weg führte uns in eine Senke des Piodegletschers. Hier legten wir unsere
Rucksäcke ab und stiegen auf den weiten Gipfel der Vincentpyramide (4215m). Ein Gipfelfoto konnten wir hier leider nicht machen,
da auf Grund der Kälte die Batterien des Fotoapparates ihren Dienst versagten.
Gegen 14.00 Uhr trafen wir wieder auf der Mantovahütte ein und machten uns zusammen mit den beiden anderen auf den Rückweg nach
Alagna, wo uns Günter H. schon erwartete. Hier unten auf 1205m Höhe war es schön warm und wir konnten in einem Straßencafe auf
eine erfolgreiche Tour anstoßen.
Zwei Tage später standen wir zusammen auf dem Lagginhorn (4010m), einem Gipfel der Weissmies-Gruppe, welcher von Saas-Grund aus
bestiegen wird.
gez. Rudi |