Bericht zur Bergtourenwoche vom vom 06.09.-10.09.1981 im Wallis

Teilnehmer: Erich, Fried, Volker und Klaus

Wie auch in den Vorjahren haben die vier Bergfreunde ihren gemeinsamen Urlaub ins Wallis geplant. Am 06.09.81 ging es in Oberflockenbach los in Richtung Birkenau, um dort unseren "Kernbeißer" Klaus abzuholen. Um 5.15 Uhr waren alle Mann an Bord und das Auto vollgepackt. Nach einer gemütlichen Fahrt überquerten wir in Basel die Grenze zur Schweiz. Hinter Basel wurde die erste Rast eingelegt. Ab hier hat Erich das Steuer übernommen um seine Qualitäten als Kraftfahrer zu bestätigen. Es lief recht gut am Vierwaldstätter-See entlang. Als wir jedoch in die Nähe von Altdorf kamen, hatte sich Erich bereits zum erstenmal verfahren. Weiter ging es nach Andermatt, wo getankt und anschliessend eine zweite Rast eingelegt wurde. Bei der Weiterfahrt hatte sich mit Fried ein neuer Fahrer gefunden. Nach anfänglichen Schaltschwierigkeiten ging es über den Furka-Pass. Der obligatorische Halt am Rhonegletscher mußte eingehalten werden. Über Gletsch, durchs Rhonetal bis Brig und von dort ins Nikolaiental nach Täsch, wo wir bei der "Schnapsdrossel" unsere Zelte aufschlugen. Das Rennen im Zelt aufbauen haben Fried und Klaus gewonnen, jedoch zeigte die Befestigung erhebliche Mängel, wie später festgestellt wurde. Nach einer kurzen Ruhepause machten wir einen Spaziergang nach Täsch, wobei Erich einen an einer Scheune hervorstehenden Balken bezwang, den wir seit Jahren zu erklimmen versuchten. Auf dem Rückweg zum Zeltplatz haben wir uns in der Molkerei mit Verpflegung eingedeckt. Bei mehreren Knobelrunden ging es recht lustig zu, wonach wir beschlossen, uns in die Kojen zu schlagen. Erich störte es nicht, daß er die ganze Nacht neben der Luftmatratze geschlafen hatte, Klaus hingegen klagte über den harten Boden, da er lediglich auf einer ISO-Matte gelegen hatte.

Erich war um 7.00 Uhr aufgestanden (auch das soll es geben, normal ist er immer der Letzte), um seinen Bergfreunden einen Hagebuttentee zu bereiten. Die Anderen haben sich um 7.45 Uhr aus den Federn gequält. Gegessen wurde nichts. Um 8.40 Uhr gingen wir bepackt zu Fuß in Richtung Zermatt. Am Helikopterlandeplatz, kurz vor Zermatt, wurde gefrühstückt und zwei startende Helis beobachtet. Bevor wir mit der neu erbauten Sunnega-Bahn um 12.00 Uhr aus Zermatt entschwebten, wurden noch einige Besorgungen gemacht. Unser Ziel war der Berggasthof "Fluhalp". Auf der Bergstation "Sunnega" hielten wir, in der Sonne liegend, Mittagspause. Das Wetter war herrlich, später zogen jedoch leichte Wolken auf. Mit der Kabinenbahn erreichten wir gegen 13.25 Uhr die Station "Blauherd". Von hier aus ging es zu Fuß zum Berggasthof "Fluhalp", wo wir das Matratzenlager Nr. 22 mit vier Personen belegten und dort gemütlich ein Bier tranken. Von einem älteren Bergführer ließen wir uns den Weg auf das Strahlhorn erklären. Wir konnten in Erfahrung bringen, daß der Gletscher sehr zerissen sei und im unteren Teil die Begehung nicht oder nur schwer möglich ist. Normalerweise wird das Strahlhorn von der Brittania-Hütte aus begangen. Aber unser Vorstand und gleichzeitiger Tourenplaner Fried sucht wie üblich das Extreme. Vor dem Abendessen haben wir noch den Anfangsweg für den nächsten Tag erkundet, damit wir es im Dunkeln etwas leichter haben. Zurück auf der Fluhalp hat Erich mit seinen Englischkenntnissen mit einem Amerikaner und dessen Begleiterin, einer Französin, Kontakt aufgenommen. Auch Fried und Klaus haben mit kauterwelscht. Bei Fried müssen hier einige Brocken hängen geblieben sein, den ab und zu hörte man in den folgenden Tagen und Wochen, Worte wie z.B. "I dont know" und "very well". Ferner haben wir auf der Hütte einen Mainzer Einzelgänger kennen gelernt, der uns von seinen bisherigen Expeditionen im Wallis erzählte, worüber wir uns sehr amüsierten. Nach dem Abendessen, mit Gulasch und Nudeln, haben wir uns nach einer kleinen Plauderrunde um 21.00 Uhr zur Ruhe begeben.

Um 3.50 Uhr wurden wir am nächsten Morgen vom Hüttenwirt geweckt, wonach wir unsere Rucksäcke fertig machten. Vom Hüttenwirt ließen wir uns Teewasser geben und füllten damit unsere Thermoskannen. Auch unser Freund aus Mainz-Ingelheim war bereits aufgestanden, obwohl er normalerweise erst bei Helligkeit auf Tour geht. Er hatte sich somit uns angeschlossen. Um 4.45 Uhr verließen wir die Hütte. Da wir den Anfang des Weges bereits erkundet hatten, lief es zu Beginn sehr gut. Der Weg über den unteren Teil des Gletschers zum Adlerpass war nicht begehbar und wir mußten uns daher mühsam über Geröllberge emporarbeiten. Auch die aufgestellten Steinmännchen waren in der Dunkelheit nur schwer zu erkennen. Nach Ende der Dämmerung erreichten wir den Gletscher. Hier haben wir uns angeseilt. Wir waren die einzige Gruppe die an diesem Tag zumindest den Aufstieg zum Adlerpass von der Fluhalp aus vornahm. Kurz vor dem Adlerpass mußten wir einen steilen, vereisten Firnhang bezwingen, was uns einige Kondition abverlangte. Um 9.45 Uhr standen wir bei eisigem Wind auf dem Adlerpass, wo wir mehrere Bergsteiger trafen, die eine Spur von der Brittania-Hütte heraufgezogen hatten. Wir beschlossen eine Frühstückspause einzulegen. Ohne Rucksack ging es um 10.10 Uhr weiter. Der wind pfiff uns um die Ohren und hatte teilweise den Schnee bis aufs blanke Eis weggefegt. Die Sonne verschwand im immer dichter wertenden Nebel, kurze Aufheiterungen erfreute unsere Gemüter. Unser Freund aus Mainz war fix und fertig und wollte nicht mehr weiter, was uns auf den letzten Metern zum Gipfel einige Pausen einbrachte. Glücklich erreichten wir um 11.45 Uhr den Gipfel des Strahlhorns (4190m). Die Sonne hatte mittlerweile wieder den Nebel vertrieben, so daß wir einen guten Ausblick auf die umliegenden Berge hatten. Das Gipfelbier, das wir tranken, war eiskalt. Auf dem Rückweg machten wir auf dem Adlerpass, bei unseren Rucksäcken, noch eine Rast, bevor wir wieder zur Fluhalp abstiegen. Auf dem Rückweg stellten wir fest, wie beschwerlich der Aufstieg zum Strahlhorn war. Das letzte Geröllfeld gab dem Mainzer den Rest. Um 15.15 Uhr erreichten wir die Fluhalp, wo wir uns nur ein Bier lang aufhalten konnten, da wir um 16.30 Uhr die letzte Bergbahn in Richtung Sunnega bzw. Zermatt erreichen wollten. Im Bahnhof von Zermatt spendierte unser Freund aus Ingelheim eine Runde Bier. Mit dem Zug ging es zurück nach Täsch. Erfrischt nach einer ausgiebigen Dusche nahmen wir im "Täscherhof" unser Abendessen ein. Auf dem Heimweg zum Zelt regnete es bereits.

Die ganze Nacht hindurch hat es geregnet, besonders in das Zelt von Erich, der die ganze Nacht im Wasser lag, es jedoch vor lauter Müdigkeit nicht merkte. Auch Volker, der mit im gleichen Zelt "wohnte", mußte kräftig Wasser wischen. Nur die zwei Alten lagen, zu unserem Verdruß, im Trockenen. Am Morgen hatte sich das Wetter auch nicht geändert und wir beschlossen, diesen Tag einen Ruhetag in Zermatt zu verbringen. Anlaufstation war hier mehrmals die "Walliser Kanne", die Spielhölle, verschiedene Souvenierläden und nicht zuletzt das Kino, in welchem wir uns einen Film über das Matterhorn anschauten. Am Abend ging es wieder zurück zu unseren Zelten nach Täsch, wo wir die letzte Nacht verbrachten.

Da sich das Wetter nicht mehr zu bessern schien, beschlossen wir unseren alles in allem schönen und erfolgreichen Urlaub 1981 abzuschliessen und fuhren Heim in unser schönes Oberflockenbach.

gez. Volker